• Auto an Steckdose
    Cottbus: Der Sonne entgegen mit dem "ESolCar" (EFRE)
  • Wanderschilder
    Bad Belzig: Menschsein im Wanderkompetenzzentrum (ESF)
  • Aufnahme des Hofladens
    Altreetz: Hofmanufaktur

Perleberg | Prignitz

Brandenburgs Zukunft sichern - mit neuester Technik in historischem Ambiente

Das Gottfried-Arnold-Gymnasium in Perleberg verfügt dank eines ausgefeilten Medienentwicklungskonzepts und des Europäischen Fonds’ für Regionale Entwicklung (EFRE) seit dem Jahr 2010 über eine hochmoderne und zeitgemäße IT-Ausstattung. Der EFRE ist neben dem ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums) und dem ESF (Europäischer Sozialfonds) einer der wichtigsten Förderfonds der EU. Zur strukturellen Anpassung der Regionen mit Entwicklungsrückstand sowie zur Unterstützung der wirtschaftlichen und sozialen Umstellung stehen Mittel aus dem EFRE zur Verfügung: So konnte das Projekt Medienentwicklung an den Gymnasien und Oberstufenzentren im Landkreis Prignitz umgesetzt werden.

Der denkmalgeschützte Stülerbau in Perleberg in der Prignitz macht einen imposanten Eindruck. Was dahinter verborgen ist, zeigen Schulleiter Veit Goralczyk-Pehl und die Sachbereichsleiterin für Schulverwaltung, Kultur und Sport des Landkreises Prignitz Barbara Nieß.
„Jetzt sind wir alte Hasen und wissen wie es läuft“, macht Barbara Nieß deutlich, die die Medienausstattung für alle Gymnasien und OSZ im Landkreis beantragt hat. Dabei stellte das Lehmgemäuer für ein breit zugängliches W-LAN-Netz neue Herausforderungen dar. Diese erforderten vor der Beantragung der Mittel erst einmal bauliche Anpassungen.

Um Fördermittel beantragen zu können,  war ein Medienentwicklungsplan gefordert. Neben allgemeinen Aussagen dazu, warum eine zeitgemäße Medienausstattung grundlegend wichtig sei, sollten auch die einzelnen Fachbereiche dezidiert ihren Bedarf abgleichen. Diese sehr intensive Arbeit habe sich im Nachgang als lohnend erwiesen, stellte sich doch mit der Zeit heraus, dass die Unterrichtsergebnisse inzwischen viel einprägsamer präsentiert werden können. Auch die Recherchemöglichkeiten durch die vorhandenen Medienoptionen sowie dem freien Zugang zum W-LAN-Netz der Schule haben sich vervielfacht.

Die Möglichkeiten sind vielfältig: Im Foyer des Gottfried-Arnold-Gymnasiums kann jeder Vorbeikommende die aktuellen Lehrervertretungen auf einen Blick erfassen und auch Nachrichten von der Schulleitung werden zeitnah übermittelt.
Dabei musste auch im Kollegium erst einmal die notwendige Medienkompetenz entwickelt werden. „Wir haben mit den Kollegen eine Fortbildung über den Anbieter gemacht. Der hat uns grundlegende Dinge erklärt, und die Kollegen haben sich nach und nach getraut, mit der neuen Technik zu arbeiten“, erläutert der Schulleiter Veit Goralczyk-Pehl.

Dass die Schülerschaft mit ihrer Medienkompetenz mitunter weiter als die Lehrkräfte sind, zeigte sich kurz nach der Anschaffung des ersten schuleigenen interaktiven Whiteboards. „Wir hatten das interaktive Whiteboard, eine Art elektronische Tafel, gerade angebracht, da kam ein Schüler, hat seinen Webstick eingesteckt und es in Betrieb genommen. Er konnte das ganz intuitiv bedienen“, berichtet Veit Goralczyk-Pehl begeistert und fügt hinzu: „Junge Menschen, die mit diesen Medien groß geworden sind, haben einen ganz anderen Zugang zu dieser Technologie. Da ist es völlig normal, dass wir sie auch mal um Hilfe bitten, wenn wir mal nicht weiter kommen. Das ist optimal!“Drei Computerkabinette befinden sich zusätzlich zu den zwei Laptopwagen mit je 24 Laptops und den zwei Multimediawagen mit Laptop, Beamer und Verstärker im Perleberger GAG. „Eine solche Ausstattung kann keine Schule allein, kein Förderverein und keine Kreisverwaltung in dieser Größenordnung finanzieren. Die EFRE- Förderung unterstützt uns in dem Anspruch, unsere Schule weiter zukunftsfähig zu machen“, so Schulleiter Veit Goralczyk-Pehl.

Bad-Belzig | Potsdam-Mittelmark

Hier bin ich keine Nummer, hier bin ich Mensch

Mit den drei EU-Fonds ESF (Europäischer Sozialfonds), EFRE (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) und ELER (Europäischer Landwirtschaftsfons für die Entwicklung des ländlichen Raumes) werden zahlreiche Projekte im Land Brandenburg gefördert. Auch das Wanderkompetenzzentrum aus dem Regionalbudget V des Landkreises Potsdam-Mittelmark gehört dazu. Gemäß dem Motto aktiv für die Region – aktiv die eigene Zukunft gestalten ermöglicht das ESF-geförderte Projekt Langzeitarbeitslosen, den Aufbau einer Wanderregion zu unterstützen. Durch umfangreiche Qualifizierungen werden die Teilnehmenden darin unterstützt, den Weg in eine feste Beschäftigung zu finden. Auch Dank der der Unterstützung des Jobcenters MAIA konnte das Projekt so konzipiert werden.

Kristin Brauns ist die Projektleiterin und Ideengeberin des Wanderkompetenzzentrums. Sie konzipierte das Projekt, welches seit März 2012 langzeitarbeitslosen ALG II Empfängern Unterstützung bietet. „Die Teilnehmenden sind zwischen Anfang 20 und etwa 55 Jahre alt. Sie kommen alle aus ganz verschiedenen beruflichen Hintergründen. Durch Schulungen und die Arbeit bekommen sie bei uns die Möglichkeit, ihre Kompetenzen auszubauen, um wieder eine feste Anstellung zu finden. Gleichzeitig sind sie maßgeblich daran beteiligt, die Region zu gestalten. Der Ausbau des Wanderwegenetzwerkes fördert den Tourismus und somit die Wirtschaftskraft des Landkreises Potsdam-Mittelmark“, erläutert Kristin Brauns.
Das Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr lebensnah ist. „Durch die intensive Arbeit miteinander wird eine Vertrauensbasis geschaffen, wodurch wir optimal auf die Bedürfnisse unserer Teilnehmer eingehen können. Darüber hinaus hat die Arbeit einen gesamtgesellschaftlichen Nutzen und wird von der Bevölkerung wahrgenommen. Das spüren natürlich auch unsere Mitarbeiter“, so Kristin Brauns.Die Arbeit gliedert sich in einen praktischen und einen theoretischen Bereich, um die weitere Umsetzung des Konzeptes der regionalen und überregionalen Wanderwege zu unterstützen. „Ein Teil ist die Überprüfung der Wanderwege direkt vor Ort auf Grundlage der Kriterien des deutschen Wanderverbandes. Es müssen zum Beispiel Wegweiser kontrolliert oder neue Markierungen angebracht werden. Andere wiederum bewerten die Wege mit einem speziellen Computer-Programm. So können die Mitarbeiter ihre Stärken am besten einsetzen. Es ist uns aber dennoch sehr wichtig, dass sie beide Bereiche nutzen. So manch einer entdeckt ein Talent, von dem er zuvor nichts wusste“, erläutert Kristin Brauns.Durch Fachschulungen u.a. durch den Deutschen Wanderverband wird die Qualität der Arbeit der Teilnehmenden garantiert – darüber hinaus entwickeln sie sich persönlich weiter.


Zusätzliche Bewerbungs- und Mobilitätstrainings, bereiten die Teilnehmenden auf den Wiedereinstieg in die Berufswelt vor. Und dies gelingt: Die Vermittlung von Praktika ist ein wesentlicher Bestandteil des Projektes, der nicht selten zu einer Festanstellung führt. Bei den bisher 78 vermittelten Praktika gab es 14 Übergänge in sozialversicherungspflichtige Jobs und drei Übergänge in eine Ausbildung. Der ESF leistet einen wichtigen Beitrag für das Projekt.
„Diese Qualität des Wanderkompetenzzentrums hätte ohne die Fördergelder nicht gewährleistet werden können“, erklärt Kristin Brauns.„Durch die Projektleitung und die Schulungen bekommen die Menschen hier sehr kompetente Hilfe“ erzählt Matthias Kuhlbarsch, ein ehemaliger Teilnehmer. „Ich schätze besonders die familiäre Atmosphäre – hier bin ich keine Nummer, hier bin ich Mensch. Das hat mir ein ganz anderes Lebensgefühl verschafft“ fügt er hinzu. Als besonderes Highlight seiner Arbeit nennt er seine Unterstützung des 112. deutschen Wandertags im Jahr 2012. Das Wanderkompetenzzentrum unterstütze dessen Vorbereitung und Durchführung.


Durch die Arbeit im Projekt hat Matthias Kuhlbarsch einen Job gefunden und führt eigenständig eine Qualitätsanalyse und Zertifizierung eines Wanderweges durch.


Dieses Projekt macht deutlich: Die EU investiert in Langzeitarbeitslose, so dass diese sich wieder in den Arbeitsmarkt eingliedern können. Davon profitiert Brandenburg und seine Wirtschaft!

Potsdam

Natur neu entdecken - Qualifizierung in der Umweltbildung

Neben dem ESF (Europäischer Sozialfonds) und dem EFRE (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) ist der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) einer der wichtigsten Förderfonds der EU. So initiierte die Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung (ANU) Brandenburg e.V. aus Potsdam mithilfe des ELERs die Weiterbildungsreihe "Mit Umweltbildung in die Selbstständigkeit – Weiterbildung für Existenzgründer": Teilnehmer werden mit praxisorientierten Seminarmodulen befähigt, eine wirtschaftliche Existenz im Bereich Umweltbildung aufzubauen. Das Angebot richtet sich an alle Brandenburgerinnen und Brandenburger und wirkt so über den Kreis Potsdam hinaus.Für eine erfolgreiche Naturerfahrung müssen gerade in der heutigen Zeit erst einmal Räume geschaffen werden. „Die Rahmenbedingungen für ein direktes Naturerlebnis sind heute nicht mehr so vorhanden. Die zunehmende Bebauung der Flächen macht es immer schwieriger, ein-fach draußen in der Natur zu sein, “ erläutert Doreen Gierke, Vorstandsmitglied des ANU Brandenburg e.V. So entstand die Idee, eine Weiterbildung zu konzipieren, die sich der Qualifizierung von „Umweltbildnern“ widmet. Wichtig für die Umweltbildner ist es, dass bereits Kinder und Jugendliche für die Erhaltung der Natur und deren Weiterentwicklung sensibilisiert werden. Eine solche Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt ist die Grundlage eines lebenslangen Verständnisses natürlicher Werte.„Eine Ausbildung zum Umweltbildner gibt es in dem Sinne nicht, es ist kein klassisches Berufsbild. Es existieren nur verschiedene Qualifizierungen und Zertifikate, um sich Wissen anzueignen“, zeigt Doreen Gierke den konkreten Bedarf an ihrem Projekt auf. In fünf verschiedenen Modulen des Weiterbildungsangebots werden diverse Inhalte vermittelt. Dies trägt zu einer umfangreichen Qualifizierung der Umweltbildner bei: Themen wie Methodik und Didaktik, Marketing, Rhetorik, Kommunikation und Versicherungsschutz werden besprochen. „Bei unserer Fortbildung tummeln sich Pädagogen, Garten- und Landschaftsbildner und viele mehr. Weiterhin spielen die Möglichkeiten der Vernetzung und des gegenseitigen Austauschs eine große Rolle.Der Kreis der Weiterbildungsteilnehmenden ist vielfältig: Arbeitslose, Studienabsolventen und Existenzgründer, aber auch alte Hasen im Bereich der Umweltbildung werden für die Fortbildungsmodule gewonnen. Die Bilanz fällt dabei durchaus positiv aus: „Viele der ehemaligen Teilnehmer sind in dem Bereich immer noch aktiv, wir haben viele positive Rückmeldungen bekommen. Einige haben sich selbstständig gemacht. Insgesamt haben alle viel aus der Weiterbildung mitgenommen. Für die Mitarbeiter der Umweltbildungszentren ist das Seminar Anstoß dazu, mit dem Input der Weiterbildung neue Angebote der Umwelterfahrung zu entwickeln“, berichtet Doreen Gierke stolz.Problemlos verlief der Start des Projektes aber ganz und gar nicht: „Man muss die Kosten ja erstmal irgendwie tragen. Als kleiner Verein können wir das nicht allein – im Rahmen der Bedarfsermittlung bezüglich der Mittel für das Projekt mussten wir außerdem feststellen, dass auch die Interessierten das nicht alleine hätten leisten können“, erläutert Doreen Gierke. Bei der Zuwendungsbehörde wurde das Projekt zunächst als exotischer Vogel aufgenommen. Da sich die Bewilligung an bestimmten Richtlinien orientiert ist, die Überprüfung von außergewöhnlichen Projekten komplizierter und dauert entsprechend länger. Dank der hartnäckigen Überzeugungskraft der Projektinitiatoren und der Unterstützung durch den beteiligten Sachbearbeiter hatte der Förderantrag aber schließlich Erfolg. „Die Weiterbildungsreihe hätte ohne den EU-Förderfonds definitiv nicht stattfinden können!“, erzählt Gierke.

Reichenwalde | Bad Saarow

Der Milchmann kommt auf leisen Sohlen

Der Milchhof Zwiebler ist ein Familienbetrieb in Reichenwalde bei Bad Saarow. Im Jahr 2012 lag er mit seinem Produktionsvolumen an vierter Stelle im landesweiten Vergleich. Nachdem in einer früheren Förderperiode der Neubau eines Viehstalls unterstützt wurde, hat das zuständige Amt Scharmützelsee nun die Zufahrtsstraße ausbauen lassen, die zum Betrieb führt.

Dafür wurde aktuell zum zweiten Mal auf Mittel des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) zugegriffen. Durch den modernen Landwirtschaftsweg gelingen die Anlieferung von Rohstoffen und der Abtransport der Milch nun mit deutlich geringerem Lärmpegel und deutlich höherem Fahrkomfort.

Milchbauer Frank Zwiebler ist glücklich über den Ausbau. „Vorher war es nur ein befestigter Weg mit Feldsteinen, das hat damals die Genossenschaft gemacht, mit so kleinen Klappersteinen und ein bisschen Sand oben drüber.“ Angesichts der starken Nutzung war dieser Zustand nicht mehr zukunftsfähig, handelt es sich doch um die Hauptschlagader des Betriebs.

„Durch den Weg gehen 80 Prozent unserer Transporte“, erklärt Zwiebler, „das Milchauto kommt alle zwei Tage und holt die Milch, das passiert immer nachts.“ Und da er Frischware anbietet, muss deren Abholung und Weiterverkauf reibungslos klappen „Unsere Milch wird nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gebracht, zu einem der größten Milchverarbeiter in Deutschland. Und dann gibt es auch noch die ganzen Wirtschaftsdünger, die angeliefert werden, 4.000 Liter Gülle zum Beispiel. Früher mussten die Lastwagen mit dem ganzen Staub hier hochstottern. Das ist schon besser jetzt. Und es wird auch vom Dorf gut angenommen.“

Für das Dorf spricht Frau Tannhäuser, Bauamtsleiterin des zuständigen Amts Scharmützelsee, und pflichtet Herrn Zwiebler bei. „Früher gab es immer Probleme vorne mit den Anwohnern. Die haben sich beschwert, dass es zu laut wäre. Klar, wenn die LKWs nachts kommen, ist das schon eine Lärmbelästigung. Das ist durch die Asphaltdecke, die wir reingezogen haben, viel besser geworden.“ Dabei hat die Gemeinde den Straßenumbau als Gemeinschaftsaufgabe begriffen. „Bei der Planung haben wir Anwohner mit ins Boot geholt, für Anregungen“, berichtet Amtfrau Tannhäuser. „Und natürlich hatten wir auch gute Unterstützung von Ulrike Friedrichs aus dem Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung. Von Ihr haben wir damals von der Möglichkeit zur Förderung erfahren.“

Unterstützt wurde das Projekt nämlich durch den Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER), als  Beitrag zur Qualitätssicherung und damit zur Stärkung des kommunalen Agrarbetriebs. „Wir haben eine kleine Planung machen lassen, den Förderantrag gestellt, haben dann auch die Bewilligung bekommen und innerhalb von zwei Monaten gebaut. Der gesamte Prozess hat bis zur Fertigstellung höchstens ein halbes Jahr gedauert, länger auf keinen Fall.“ Frau Tannhäuser hat gute Erinnerungen daran – und würde es jederzeit wieder so machen. „Es gibt ganz viele Projekte, die förderfähig wären. Aber wir sind erst mal zufrieden mit dem was wir bekommen haben und bekommen. Jeder Cent ist schon eine gute Sache. Und ohne Förderung ginge vieles einfach nicht.“

Dabei investiert Europa bereits zum zweiten Mal in die wirtschaftliche Zukunft der Gemeinde. „Den da hinten hab ich vor vier Jahren mit Hilfe von Fördermitteln gebaut“, sagt Milchbauer Frank Zwiebler und zeigt auf seinen Viehstall am Hofeingang. „Das war auch der ELER. Dreißig Prozent kamen damals von der EU.“ Auch dank nachhaltiger Maßnahmen wie dieser kann Zwiebler den tief in Brandenburg verwurzelten Familienbetrieb eines Tages an die nächste Generation weitergeben. Sein Sohn werde den Hof wohl übernehmen, vermutet der Vater. „Fachlich weiß er schon mehr als ich. Er hat hier gelernt und seine Ausbildung gemacht. Dann hat er noch eine Begabtenförderung bekommen für seine Meisterausbildung. Der hätte auch schon woanders arbeiten können, aber er hilft mir zum Glück hier im Betrieb.“
Und die gute Arbeit zahlt sich aus: Vom Landeskontrollverband Brandenburg hat Milchbauer Frank Zwiebler schon mehrere Auszeichnungen für besonders hohe Milchqualität erhalten. Darauf ist der Landwirt schon etwas stolz und zeigt die entsprechende Urkunde. Ob er nicht noch mehr Preise bekommen habe, fragt Frau Tannhäuser vom Amt Scharmützelsee und kennt die Antwort längst. „Ach, das sind so Auszeichnungen für hervorragende Milchqualität“, sagt Herr Zwiebler und winkt bescheiden ab. „Glückliche Kühe!“, wirft die Bauamtsleiterin ein. „Ach, glücklich“, erwidert der Bauer, „vor allem gesund sind sie! Wir geben uns einfach Mühe. Schließlich lebe ich von der Milch.“

Finsterwalde | Elbe-Elster

Eine Hand hilft der anderen

Das ESF-Projekt „Netzwerk Pflege und Beruf“ richtet sich an Berufstätige mit Pflegeverantwortung, vorwiegend in Handwerksunternehmen der Region Finsterwalde. Durch das Projekt werden diese Berufstätigen durch konkrete Angebote in ihrer Beschäftigungsfähigkeit unterstützt und deren Verbleib im Unternehmen gesichert. Gleichzeitig werden die Unternehmen dafür sensibilisiert, dass die Unterstützung ihrer Mitarbeiter auch dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit dient. Sie entwickeln für sich oder im Verbund mit anderen Unternehmen und einschlägig erfahrenen Dienstleistern Lösungen zur Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Pflege und setzen diese um.

Gegründet und aufgebaut wurde das Projekt von einem vierköpfigen Team um Projektleiterin Ellen Lösche. Die Idee dazu kam Frau Lösche durch ihre Arbeit als Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Bei der Organisation von Schulungen habe sie festgestellt, „dass enormer Bedarf zur Unterstützung besteht“, berichtet sie. „Im Handwerk sind es meist familiäre Betriebe, da gibt es einen Juniorchef und einen Seniorchef, die kamen natürlich zu den Terminen. Die mitarbeitenden Ehefrauen konnten aber oft nicht teilnehmen, weil sie ihre pflegebedürftigen Angehörigen versorgt haben. Für sie bieten wir regelmäßige Schulungen zu alternativen Zeiten und beraten sie individuell. Unser Projekt sehen wir als Möglichkeit, Betroffenen in Bezug auf die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf Unterstützung zu geben.“

Mit dieser thematischen Ausrichtung nimmt sich das Netzwerk gesellschaftlichen Herausforderungen der Region an: demografischer Wandel und Fachkräftesicherung. „Das sind keine Probleme der Zukunft, sie bestehen schon jetzt“, betont Projektmitarbeiterin Dörte Janitz. „Hier in der Region entstehen Initiativen, die eine Vorreiterrolle übernehmen können für andere Teile Deutschlands, in denen diese Entwicklungen erst später einsetzen werden. Projekte wie unseres sind notwendig, um frühzeitig auf Probleme reagieren und sie gestalten zu können.“

Tatsächlich zeigen aktuelle Studien, dass rund ein Drittel der Menschen, die im Land Brandenburg ihre Familienangehörigen pflegen, berufstätig sind. An diese im Bundesvergleich überdurchschnittlich große Gruppe richtet sich die INNOPUNKT-Initiative „Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Pflege“ des Brandenburger Arbeitsministeriums. Bei einem Ideenwettbewerb bewarb sich die Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft mit ihrem Konzept für das Projekt „Netzwerk Pflege und Beruf“ und bekam – als eines von sechs geförderten Projekten – den Zuschlag.

Unterstützt durch die ESF-Mittel hat das Projektteam verschiedene Dienstleistungsprodukte entwickelt, die auch nach Abschluss des Verbundprojektes Bestand haben werden. An Erwerbstätige richtet sich etwa der Handwerkerpool, ein Zusammenschluss von Handwerksunternehmen, in denen Chefs oder Mitarbeiter Angehörige pflegen. Bei gemeinsamen Treffen können sich Betroffene austauschen und gegenseitig unterstützen, mit Erfahrung, Expertise und ganz konkreten Hilfsangeboten.

Ein Beispiel für die Wirksamkeit dieser Unterstützung ist „der Betriebsinhaber einer Tischlerei“, berichtet Frau Lösche, „der einen Schlaganfall hatte, nach dem er nur noch zu 30 Prozent einsatzfähig war. Obwohl er die Aufträge nicht mehr allein mit seinen Mitarbeitern ausführen konnte, wollte er seinen Betrieb weiterführen. Über den Handwerkerpool hat er eine Betriebskooperation mit zwei weiteren Tischlereien gegründet. Für die Umsetzung solcher Kooperationen bieten wir dann auch Unterstützung an.“

Als weiteres Instrument zur Vernetzung gibt es den sogenannten Springerpool. Kommt es zu einer Erkrankung oder einem unfallbedingten Ausfall in einem Betrieb, übernimmt das Team um Ellen Lösche die Vermittlung einer Vertretung oder, bei längerfristigen Engpässen, eines überbrückenden Mitarbeiters. Im Springerpool finden sich hauptsächlich junge Auszubildende und Gesellen. „Dadurch haben Jugendliche immer wieder die Chance, praktisch tätig zu werden und wertvolle Erfahrungen zu sammeln“, erläutert Projektmitarbeiterin Dörte Janitz.

Vom Netzwerk entwickelt wurde außerdem der sogenannte Notfallordner. In ihm sind wichtige Informationen festgehalten, die in einer akuten Problemlage im Betrieb gebraucht werden: relevante Regelwerke wie das Familienpflegezeitgesetz, Wissen über Instrumente der Vorsorge sowie Adressen und Leistungen von Akteuren wie Pflegestützpunkten. Und schließlich gebe es einen Ombudsmann, einen Ansprechpartner für die Unternehmen bei Sorgen und Problemen, so Projektleiterin Ellen Lösche. Auch dieser sei eine nachhaltige Einrichtung, die in Zukunft bestehen bleibe, ergänzt sie – und während die Damen vom Projekt die Errungenschaften ihrer Arbeit beschreiben, bemerkt man ihren Stolz und ihre Begeisterung.

Genau wie ihre Überzeugung vom Nutzen europäischer Fördermittel: „Die Gelder des ESF waren für unser Projekt die Anschubfinanzierung. Die Produkte, die wir entwickelt haben, können jetzt unabhängig von den Fördermitteln fortbestehen“, unterstreicht Dörte Janitz. Ihre Kollegin Martina Bönisch nickt zustimmend. Durch Infrastrukturprojekte wird zudem die Wirtschaft angekurbelt: „Kleine Einöden oder Schlösser werden ebenfalls mit EU-Mitteln restauriert.. So ist auch wieder dem Handwerk geholfen, das dadurch Aufträge erhält.“ Die Branche profitiere darüber hinaus auch anderweitig von den Freiheiten innerhalb der Europäischen Union: „Dass ein Steinmetz nach Italien fahren kann, um sich vor Ort für die Verarbeitung einer bestimmten Steinart ausbilden zu lassen, wäre früher nicht möglich gewesen. Das ist etwas Besonderes – das geht nur dank der EU.“

Burg | Cottbus

Altes Handwerk auf fruchtbaren Boden

Die Spreewald-Mosterei Jank in Burg bei Cottbus wurde 1958 von Friedrich Jank gegründet. Heute wird der Traditionsbetrieb in der dritten Generation von Hans-Joachim Jank und seiner Frau Christina geführt. Die zahlreichen Besucher des ausgebauten Hofs – Burg ist schließlich eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region – können nicht nur die selbst produzierten Spezialitäten im Hofladen erwerben, sondern auch die moderne Mostanlage besichtigen.Dank einer früheren Förderung aus dem EFRE verfügt die Mosterei über neue Edelstahltanks zur ganzjährigen Lagerung des Mosts und über eine ausreichend große Halle für die abgefüllten Flaschen. Im aktuell geförderten Neubau befinden sich neben den Verkaufsräumen auch zwei Ferienwohnungen und ein Museum, das eine historische Ausstellung zum Mosthandwerk beherbergt.„Mein Mann hat schon immer davon geträumt, die alten Maschinen von seinem Vater und Großvater irgendwo mal unterzubringen“, erzählt Christina Jank. Die anfängliche Hobbysammlung ist heute ein wichtiger Teil des Familienbetriebs. Zu sehen sind teils erworbene, teils selbst entwickelte Hilfsmittel aus dem vergangenen Jahrhundert, sie illustrieren Arbeitsabläufe von der mühevollen Herstellung des Saftes bis zur Mostabfüllung. Damals war das alles noch Handarbeit. „Wenn ich Kindern zeige, wie heutzutage in unserer modernen Mosterei der Apfel gepresst wird und dann in die Ausstellung gehe und zeige, wie das früher gemacht wurde, da sind die schon hell begeistert“, sagt Christina Jank mit einem Schmunzeln.Neben der Sicherung des alteingesessenen Betriebes ist gerade diese Wissensvermittlung eine der Besonderheiten des Projekts. Und die Faszination des lebendigen Handwerks begeistert offenbar nicht nur Besucher: Ein Sohn der Janks hat inzwischen selbst den Beruf des Fruchtsaft-Technikers erlernt. Nach seiner Ausbildung in Koblenz entschied er sich dafür, in der Nähe seiner Familie zu bleiben, die „von Anfang an“ in Burg verwurzelt ist. „Manche zieht es ja wegen der Arbeit hier weg, die dann nie wiederkommen. Das ist für uns alle schade. Aber wer die Möglichkeit hat, kehrt irgendwann zurück. Der Spreewald an sich ist ja auch einzigartig, das kriegt man nicht gleich wieder.“ Erhalt, Entwicklung und Weitergabe – die Investitionen in den Hof könnten nachhaltiger kaum sein. Die EU-Förderung hat dabei eine Schlüsselrolle gespielt. „Die Idee für den Neubau war da“, rekapituliert Hans-Joachim Jank. „Zuerst haben wir mit dem hiesigen Bauunternehmer gesprochen. Der konnte uns über den Daumen gepeilt sagen, wie viel das kosten würde. Da stand dann eine ganz schöne Summe im Raum, die wir alleine nicht abdecken konnten.“ An diesem Punkt kam der EFRE ins Spiel; ein Bekannter der Janks kannte sich mit den Fördermöglichkeiten aus. „Wir mussten ein Firmenexposé und solche Dinge zuarbeiten. Dann haben wir im April 2008 den Fördermittelantrag gestellt. Die Bewilligung kam im September. Anschließend haben wir die Planung in Auftrag gegeben.“ Christina Jank nickt zustimmend. „Ohne die Unterstützung durch den EU-Fonds wäre vieles nicht entstanden. Nicht nur bei uns, sondern auch in der Nähe, in der ganzen Region.“

Klettwitz | Lausitz

Raum für Bildung - Zukunft sichern

Christian Raum, Verwaltungsleiter des FamilienCampus Lausitz, berichtet von den Möglichkeiten und Herausforderungen, die mit der Umnutzung des ehemaligen Krankenhauses verbunden sind. Die Umbauten im Kontext einer modernen Berufsfachschule für Gesundheits- und Krankenpflege, Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflegehilfe sowie operationstechnische Assistenz können zum Beispiel nur dank der finanziellen Förderung durch den ELER umgesetzt werden. "Als ich Kostenvoranschläge für den Bau des Internats eingeholt habe, wurde schnell klar, dass wir das finanziell alleine nicht stemmen können. Wir sind dann auf die Koordinatoren der ELER-Förderung in unserer Region gestoßen und haben sehr viel Unterstützung erfahren. So erklärt sich schließlich der Erfolg bei der Einreichung unseres Antrags für den Bau", erinnert er sich.Die Ausbildung begann mit 60 Schülern im Jahr 2008. Die Nachfrage geht weit über den engeren Einzugsbereich Klettwitz hinaus. Die Einrichtung des Internats mit angeschlossener Versorgungsinfrastruktur bietet in zwölf Räumen mit 24 Betten ausreichend Platz zum Lernen und Wohnen für Schüler. "Eine Beherbergungsmöglichkeit ist für unsere Schüler elementar. Sonst würde das ganze Konzept hier nicht aufgehen", erläutert Christian Raum.Das ehemalige Krankenhaus gibt angehenden operationstechnischen Assistenten die Möglichkeit, ihr theoretisches Wissen unter Anleitung einer erfahrenen Fachkraft praktisch anzuwenden. Diese Voraussetzungen verschaffen der Schule – gerade hier in der Region – einen sehr guten Ruf. Daher wundert es nicht, dass die Schülerzahlen in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Derzeit werden im FamilienCampus 218 Schüler ausgebildet und die Nachfrage reißt nicht ab.Die modern ausgestatteten Lernräume werden schließlich durch ein Fort- und Weiterbildungsangebot zusätzlich genutzt. Damit wird zum einen die ganze Familie erreicht: "Hier geht es um Angebote rund um die Familie. Eltern mit ihren Neugeborenen, Kinder, Jugendliche, Auszubildende, Erwachsene und ältere Menschen sollen die Angebote des Campus nutzen", bekräftigt Christian Raum. Zum anderen wird die wirtschaftliche Tragfähigkeit des FamilienCampus gestärkt.

Das Gelände bietet Dienstleistern – aus den Bereichen Bildung, Therapie, Beratung und Freizeitgestaltung – eine Fläche, um ihre Angebote zu unterbreiten. "Wir haben verschiedene Partner: Es gibt eine Kurzzeitpflegeeinrichtung, ein Tagesangebot für behinderte Menschen sowie eine Beratung und Betreuung für traumatisierte Kinder und Jugendliche. Außerdem beherbergt das Gelände den Therapie- und Hochseilpark des Sozialwerks Horizont, wo therapeutische Gruppenangebote realisiert werden können. Schließlich gibt eine Kreativwerkstatt und eine Tischlerei", berichtet Christian Raum stolz.

Der FamilienCampus Lausitz ist zu einem Treffpunkt für die ganze Familie geworden und leistet gleichzeitig mit der Ausbildung von Fachkräften einen unerlässlichen Beitrag für die Zukunft. Die großartige Entwicklung, der Ausbau des Angebots und die positive Resonanz zeigen, dass der ländliche Raum und die Region durch dieses Projekt lebenswert und nachhaltig gestaltet worden sind.


Hennigsdorf | Oberhavel

Zurück ins Leben

Das Projekt VITA plus mit Sitz in Hennigsdorf setzt sich seit Mitte 2012 für Langzeitarbeitslose ein. Die Laufzeit beträgt 24 Monate und es werden pro Jahr 50 Teilnehmende aus dem gesamten Landkreis Oberhavel begleitet. Gefördert wird das Projekt durch den Europäischen Sozialfonds (ESF), der neben dem ELER (Europäischer Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums) und dem EFRE (Europäischer Fond für regionale Entwicklung) einer der wichtigsten Förderfonds der EU ist.

Fünf erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten für das Projekt VITA plus. Sie wissen worauf es ankommt: Es ist wichtig, den Menschen ihr Selbstvertrauen wieder zu geben und ihre eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen. Die soziale Teilhabe steht bei VITA plus an erster Stelle. Erst dann geht es um die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.
Möglich wird diese Unterstützung nur durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). „Ohne die Fördermittel aus dem ESF würde unser Projekt gar nicht existieren“ erläutert der Projektleiter Bernd Fassauer. In den alten Bundesländern ist die pädagogische Begleitung von Langzeitarbeitslosen schon etabliert. Dank VITA plus erfahren nun auch Arbeitslose in Brandenburg eine solche Unterstützung – ein Gewinn für das ganze Bundesland.

Neben einer breiten Auswahl an Möglichkeiten wird vor allem in Einzelgesprächen auf die individuelle Situation der Menschen eingegangen. „Letztlich geht es darum, welche Anliegen unsere Teilnehmer haben“, bekräftigt Bernd Fassauer.

Jeder Person wird ein Coach zugeordnet, der ihm die ganze Zeit zur Seite steht. Dabei geht es um praktische Anliegen – wie zum Beispiel die Überarbeitung von Bewerbungsunterlagen – vor allem aber um das Sprechen über ganz persönliche Belange. „Für unsere Arbeit ist es wichtig, den Teilnehmern einfach zuzuhören, auch in persönlichen Dingen. Dazu verabreden wir uns einfach mal mittags und gehen zusammen einen Kaffe trinken“ erklärt Bernd Fassauer.
Dass das Leben kein Ponyhof ist, mussten die Teilnehmenden von VITA plus am eigenen Leib erfahren. Den Mitarbeitern des Projektes ist es ein großes Anliegen zu zeigen, wie viel Spaß und Freude das Leben bereit hält. „Für uns geht es nicht primär darum, die Menschen wieder in den Arbeitsmarkt einzugliedern, sondern um die soziale Teilhabe. Wir möchten vermitteln, dass jeder ein gleichwertiges Mitglied unserer Gesellschaft ist und dieselben Rechte geniest“ so Bernd Fassauer. Gemeinsame Ausflüge, bei denen die Erlebnisse geteilt werden können, sind ein wichtiger Teil des Konzeptes.Bei den Veranstaltungen von VITA plus können sich die Teilnehmenden kennen lernen. Dabei stehen Themen rund um die Gesundheit im Zentrum, es wird aber auch auf besondere Lebenslagen, wie etwa die Pflege von Angehörigen, eingegangen. Hierzu werden einmal im Jahr alle Krankenkassen zu einem Gesundheitstag eingeladen.Im Gespräch mit einer Projektteilnehmerin wird deutlich, dass bei VITA plus der Mensch im Mittelpunkt steht. Dass sie ihren gelernten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausführen konnte, war ein schwerer Schicksalsschlag für die Köchin. Die darauf folgende Ausbildung konnte sie nicht vor der Arbeitslosigkeit schützen. „Ich habe durch VITA plus wieder Selbstvertrauen gewonnen. Ich sage jetzt wieder, was ich zu sagen habe, denn wenn man sich das nicht traut, verliert man. Auch meine Angst davor, eine Absage zu bekommen ist nicht mehr so groß und ich habe wieder Kraft gewonnen, neue Dinge anzugehen!“

Schenkenberg | Uckermark

Windkraft an der Tankstelle

In Schenkenberg bei Prenzlau betreibt die Firma ENERTRAG seit 2011 ein sogenanntes Hybridkraftwerk – nach eigenen Angaben das weltweit erste seiner Art. Eine solche Anlage kombiniert die Nutzung von Windkraft, Biogas und Wasserstoff als Energieträger und bietet damit eine flexible und bedarfsgerechte Stromversorgung mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten.

So steht die erzeugte Wärme der Stadt Prenzlau zur Verfügung, überschüssiger Wasserstoff den Autofahrern an speziellen Tankstellen in Berlin. Lösungen wie diese sind es, die im Zuge der Energiewende eine wichtige Rolle spielen werden – schließlich gilt es, sich auf Energiequellen einzustellen, die den Schwankungen der Natur unterworfen sind.

Projektpartner sind neben ENERTRAG, einem mittelständischen Unternehmen aus der Uckermark, auch die Energiekonzerne TOTAL Deutschland und Vattenfall sowie die Deutsche Bahn und die Brandenburgische Technische Universität (BTU) in Cottbus. Gefördert wird das Forschungskraftwerk aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit 3,21 Millionen Euro, weitere Gelder kommen vom Land Brandenburg und vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.

Werner Diwald ist Vorstandsmitglied der ENERTRAG AG und erzählt, dass bei ihm Telefonate aus aller Welt eingehen. "Ob das Amerika, China oder Japan ist", alle interessierten sich für das Pionierprojekt vor den Toren Prenzlaus. "Man sagt wirklich, hier ist ein wesentlicher Meilenstein getätigt worden, der unendlich viele Chancen in sich birgt. Ein Projekt wie dieses ist für den Lernprozess äußerst wichtig, um sagen zu können, wie Energiewirtschaft und Mobilitätswirtschaft zusammenarbeiten. Wie laufen Leistungsströme, auch Geldströme, wie muss man Ressourcenmanagement betreiben?" Die Antworten auf genau solche Fragen seien es, die das künftige Energiesystem umreißen, davon ist Diwald überzeugt. Langfristiges Ziel seien Konzepte für eine dezentrale Energieversorgung, insbesondere für dringend benötigte neue Formen der Speicherung. Wenn man es ernst meine mit der Energiewende, käme man zwangsläufig an den Punkt, an dem man solches Neuland beschreiten müsse, sagt der Manager.
Auf Neuland wagen sich die Projektbeteiligten durchaus. Mit dem einzigartigen Hybridkraftwerk erproben sie eine neue Form der Energieversorgung, vom Windrad bis zur Tankstelle sozusagen. Mit Windenergie aus Brandenburg wird auf chemischem Wege Wasserstoff produziert, den man im Gegensatz zu Strom auch einfach speichern kann. Dieser Wasserstoff wird dann, je nach Bedarf, auf zwei verschiedene Arten genutzt. "Wir haben vor Ort Blockheizkraftwerke, die mit Wasserstoff und Biogas gespeist werden. Die produzierte Wärme wird dann direkt nach Prenzlau weitergegeben", erklärt Werner Diwald. Das ist die eine Möglichkeit. Alternativ landet der Wasserstoff im Autotank: "In seiner reinen Form wird er in Tankern verpresst, nach Berlin transportiert und dann an der TOTAL-Wasserstoff-Tankstelle in entsprechend ausgerüstete PKWs vertankt." Drei Fliegen mit einer Klappe: zu viel produzierte Windenergie wird gespeichert, Prenzlau nutzt sie zum Heizen, Berliner Autofahrern dient sie als Antrieb.

"Solch ein Projekt ist der Grundstein für die Energiewende", sagt Diwald nicht ohne Stolz. "Ohne die Entwicklung solcher Technologien wird die Energiewende in Deutschland – und auch weltweit – nicht funktionieren." Die Zusammenarbeit der Verbundpartner sei dafür enorm wichtig, fügt er hinzu, und ebenso die Förderung aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE). "Da so ein Vorhaben sehr kapitalintensiv ist, sind wir gerade als mittelständisches Unternehmen auf Fördermittel angewiesen. Wir haben uns vor dem EFRE-Antrag umfassend mit der Technologie auseinandergesetzt. Wir haben zunächst eine Analyse gemacht, bei der wir zu dem Schluss gekommen sind, dass Wasserstoff die einzig richtige, großformatige Lösung ist." Entsprechend groß sei die Freude gewesen, als das Land sein grünes Licht gab. "Dass es dann bewilligt worden ist, ist ein Zeichen, dass man das unbedingt umgesetzt haben wollte."

Auf der Suche nach Know-How ist ENERTRAG dann schnell auf die Fachhochschule Stralsund im benachbarten Mecklenburg-Vorpommern und auf die BTU Cottbus gekommen, die auch mit eigenen Projekten an der Energiewende arbeitet. Mit der Universität möchte die Firma auch längerfristig zusammenarbeiten – weitere gemeinsame Projekte sind bereits in Planung. Auch das Prenzlauer Pionierprojekt soll nach Ablauf der Förderperiode bestehen bleiben. "In welchem Umfang, ist abhängig von einer weiteren Förderung und von einem Marktdesign", erläutert Manager Diwald. "Wir werden auf jeden Fall weiter arbeiten und weiter lernen. Wir würden den Standort gern durch ein neues EFRE-Projekt so erneuern und ertüchtigen, dass man ihn für Speicherenergie nutzen kann."
Apropos Standort: Wieso eigentlich die Uckermark? "Wir haben das Projekt einerseits hier angesiedelt, weil wir wussten, dass wir dadurch eine sinnvolle Wärmenutzung für Prenzlau aufbauen können. Andererseits ist hier in der Nähe auch der Stammsitz unseres Unternehmens. Dort sind die Leute, die es kompetent betreuen können." Fünfzehn Personen sind in seinem Betrieb permanent mit dem Thema beschäftigt. Wenn es nach Werner Diwald ginge, könnten es noch mehr sein: "Vielen ist noch nicht richtig bewusst, dass man hier in Brandenburg die Möglichkeit hat, eine industrielle Revolution zu vollziehen, dass man hier im Endeffekt nachhaltig Arbeitsplätze schaffen kann, um an dieser Energiewende stärker zu partizipieren, als man es bisher getan hat. Da müssen die Geister noch so ein bisschen geweckt werden", sagt er voller Eifer. "Man sollte hier ruhig etwas selbstbewusster sein, mit stolzer Brust nach vorne schreiten und sagen: Wir machen hier die Energiewende und wir zeigen ganz Deutschland, wie das geht!"

Frankfurt/ Oder

Schritt für Schritt zurück ins Arbeitsleben

Das ESF-Projekt "Kompetent in Frankfurt" dient der Aktivierung von Langzeitarbeitslosen in der Oderstadt. Um jene wieder an den ersten Arbeitsmarkt heranzuführen, stehen vielfältige Angebote zur Verfügung, die individuell angepasst werden – je nachdem, was dem Einzelnen am besten hilft. Der Projektträger, die Deutsche Angestellten Akademie GmbH (DAA), führt das Projekt im Rahmen des Programms "Regionalbudget" neben seinem regulären Weiterbildungsangebot durch. Die Maßnahmen sind zeitlich begrenzt und dauern bei jedem Teilnehmer meist sechs Monate bis ein Jahr.

Kathrin Hunger hat bei der DAA als Gesundheitscoach angefangen; seit vier Jahren ist sie nun Bereichsleiterin für Gesundheit und Soziales und zudem Projektleiterin von "Kompetent in Frankfurt". Als solche entwickelt und vermittelt sie "Strategien zum Abbau von gruppenspezifischen Vermittlungshemmnissen". Weniger formal ausgedrückt heißt das: Frau Hunger und ihr Team aus sechs Festangestellten und vielen freien Honorarkräften kümmern sich um Menschen aus der Region, die Anschub und Unterstützung brauchen, um wieder Arbeit zu finden. Das kann viele Gesichter haben: ein Sportkurs bringt körperliche Fitness, eine ästhetische Zahnarztbehandlung mehr Selbstvertrauen. Durch Gruppentreffen kommt man wieder unter Leute, im Modellbüro setzt man sich zusammen an den Computer.

Wer die nüchternen Räume der DAA betritt, merkt sofort, wie Kathrin Hunger sie mit ihrer Ausstrahlung aufhellt – sie wirkt wie jemand, der in der Lage ist, andere Menschen mitzureißen, zu aktivieren. Und das ist manchmal dringend nötig. Fast ihr ganzes Leben hat Hunger in Frankfurt an der Oder verbracht, sie kennt die Probleme dieser Stadt: Jobs sind weggebrochen, die Arbeitslosigkeit ist gestiegen. Dadurch sind viele Menschen abgewandert; wer noch da ist und kein Einkommen hat, landet nicht selten im sozialen Abseits und hat irgendwann schlicht keine Lust mehr, etwas dagegen zu unternehmen. "Die Motivation ist oft sehr unterschiedlich", bestätigt Leiterin Hunger. "Wir haben Teilnehmer, die Angst haben und nicht mitmachen wollen. Und wir haben solche, die sich freiwillig melden."

Zur zweiten Gruppe gehört Mario Pönisch. Nach einem Arbeitsunfall konnte der 48-jährige nicht mehr als Bauarbeiter sein Geld verdienen - von heute auf morgen musste eine Lösung her. Die kam im September 2012, als ihm das Jobcenter vorschlug, am Projekt "Kompetent in Frankfurt" teilzunehmen. "Ich hab' schon mehrere Maßnahmen mitgemacht", erzählt Mario Pönisch, doch erst das halbe Jahr bei der DAA brachte den Durchbruch. "Das hat mich interessiert. Ich hab' einen Bildungsgutschein bekommen, hab' dann ein Praktikum gemacht" - und plötzlich ging alles ganz schnell. Im März hat Mario Pönisch eine zweijährige Umschulung zum Koch bei einem Netzwerkpartner der DAA begonnen.

Die Leidenschaft fürs Kochen hatte schon länger in Mario Pönisch geschlummert - erst die Projektmaßnahme hat sie zum Vorschein gebracht, indem sie eine neue Berufsperspektive eröffnete. Denn an genau solchen, individuell unterschiedlichen Punkten setzt das Team von "Kompetent in Frankfurt" an und versucht, "verhärtete Lebensstrukturen aufzubrechen", wie es Frau Hunger formuliert. Beispiel Gesundheit: Welche Einschränkungen hat der Teilnehmer? Liegen Gutachten vor, läuft eine Behandlung? Gibt es ein Suchtproblem? Wie steht es um die Ernährung, wird Sport getrieben? Oder Bildung: Fehlt vielleicht ein "Schweißerpass" oder ein "Gabelstaplerschein" für einen Wiedereinstieg in den Beruf? Ist Weiterbildung am Computer nötig? Nach der Erfassung dieser Punkte wird der Verbesserungsbedarf ermittelt und dann ein persönlicher Plan erstellt. Gerade diese Möglichkeit, verschiedene Handlungsfelder nach Notwendigkeit und Interesse zu kombinieren, begeistere viele Teilnehmer, so Kathrin Hunger.

Zugrunde lag dem Projekt die Beobachtung, dass die Zahl der physisch und psychisch erkrankten Arbeitslosen in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat - und dass die Problemfelder jedes Einzelnen stark miteinander zusammenhängen. "Daraus ist die Idee entstanden, die Bereiche Arbeitslosenförderung, Integration und Gesundheitsförderung zu kombinieren", erklärt Projektleiterin Kathrin Hunger. "Kompetent in Frankfurt" arbeitet für den einzelnen Teilnehmer, je nach Kapazität und je nach Umfang der notwendigen Maßnahmen. Dabei können natürlich nur so viele Teilnehmer betreut werden, wie das Budget erlaubt. Dieses umfasst 70.000 € aus Mitteln des ESF.

Das heißt: Ohne die Fördermittel bekämen Arbeitssuchende nur ein Minimum an Unterstützung. Für Kathrin Hunger ist das keine Alternative: "Die Mittel vom Jobcenter sind begrenzt und schließen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung nur bedingt ein. Die sind aber absolut notwendig und auch in Zukunft unverzichtbar. Mit Hilfe unseres Projektes und den Netzwerk-Kooperationen hier in Frankfurt kann man ganz viel bewirken. Ich kann mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht vorstellen, dass unsere Projekte irgendwann aufhören sollen - das wäre fatal."
So sieht das auch Mario Pönisch, der an dem Projekt teilgenommen und neben der neuen Berufsaussicht auch neue Kontakte gewonnen hat. "Es gab zum Beispiel ein Gemeinschaftsprojekt mit Besuchern aus Polen, Rumänien, Tschechien und Bulgarien. Wir haben jeden Tag gemeinsam gekocht und dann wurde an einer großen Tafel gemeinsam gefrühstückt und zu Mittag gegessen - das fand ich einwandfrei." Seine Botschaft ist klar: "Jedem Langzeitarbeitslosen würde ich das empfehlen! Man kommt wieder raus, man hat eine Aufgabe, man hört wieder was zwecks Bewerbung." Und dann stehe man wieder mitten im Leben. Für ihn war es ein voller Erfolg, sagt Herr Pönisch und strahlt.


Altreetz | Märkisch-Oderland

Der Allrounder aus dem Oderbruch

Die Hofmanufaktur Filter hat im Jahr 2008 den Mostereibetrieb aufgenommen und wurde im Jahr 2009 um eine Brennerei erweitert. Seitdem produziert sie Fruchtsäfte und Obstbrände aus den Erträgen heimischer Streuobstwiesen. Neben dem Stammhaus in Neurüdnitz betreibt Inhaber Christian Filter im benachbarten Altreetz ein Landwarenhaus mit Hofladen, Bistro und Dienstleistungsangebot. In der Brennerei kann man live miterleben, wie aus Fruchtsaft Schnaps gebrannt wird. In Ihr und in der an den Betrieb angeschlossenen Obstschule wird zudem Fachwissen an interessierte Besucher vermittelt.Stück für Stück hat Christian Filter sein vielfältiges Angebot aufgebaut und damit die dörfliche Region belebt und gestärkt. „Am Anfang war der Hof mit seinem alten Obstbaumbestand. Irgendwann reifte die Idee, diese wirtschaftlich nicht mehr genutzten Obstsorten zu erhalten, indem man etwas Schönes daraus macht. Da gab es eine Nische“, erklärt der Unternehmer. Den Grundstein zur Besetzung dieser Nische legte Filter im Schweinestall seines Hofs in Neurüdnitz, der erst mal umfangreich saniert wurde. Nach dem erfolgreichen Umbau schaffte Filter eine große alte Obstpresse an und begann, die „Grundvermostung für die Leute in der Gegend zu machen, die ihr eigenes Obst zu uns bringen.“

Aus Streuobst von Pachtwiesen in der unmittelbaren Umgebung begann der Moster im nächsten Schritt, eigene Säfte herzustellen und zu vermarkten. Zu seinen Kunden gehören Bio-Läden, Feinkostgeschäfte und Restaurants in ganz Brandenburg und darüber hinaus. Im Herbst 2009 kam dann eine Brennerei dazu, in der die Hofmanufaktur Filter ihre feinen Obstbrände destilliert. Bald wurde der Schweinestall auf dem heimischen Hof zu klein und Brennerei, Hofladen und ein Teil des Lagers mussten ins wenige Kilometer entfernte Altreetz umziehen.

Unterstützt durch Mittel aus (ELER) wurden der Umbau des alten Schweinestalls, die Sanierung des Gutshofs in Neurüdnitz sowie der Einbau der Brennereianlage und die Einrichtung des Hofladens in Altreetz. „Wir haben uns von Beginn an darum gekümmert“, erinnert sich Christian Filter. „Der Herr Schmidt von der LAG aus Wriezen war unser Ansprechpartner für die EU-Förderung, der hat uns beraten.“ Die LAG ist die Lokale Aktions-Gruppe Oderland, die auf kommunaler Ebene die Mittel aus dem EU-Fonds vergibt. „Ohne die Förderung hätten wir da ganz anders rangehen müssen. Die Brennerei hätten wir sonst nicht stemmen können, schon gar nicht so schnell. Da haben die Mittel schon sehr geholfen.“ Ein so großes Projekt braucht natürlich seine Zeit: „Mit der ganzen Vorgeschichte hat es zwei Jahre gedauert. Dann von der Bewilligung bis zur Fertigstellung nochmal ein Jahr“, berichtet Filter.
Mittlerweile beschäftigt die Firma vier Angestellte aus der Region und bis zu 24 Saisonarbeiter zur Erntezeit. „Dann wollen wir noch jemanden zur Ausbildung als Brenner anstellen, denn bisher mache ich das allein“, sagt der Inhaber. In seinem Unternehmen achtet er nicht nur auf regionales, sondern auch auf nachhaltiges Wirtschaften. So verfügt er auch über eine Schafherde, die gerade kräftigen Zuwachs bekommen hat. Die Tiere beweiden die hofnahen Obstwiesen, fressen den anfallenden Apfeltrester – die unbrauchbaren Fruchtrückstände der Mostpressung – und liefern dafür eine sehr feine Wolle. Kreislaufwirtschaft nennt Christian Filter das Konzept, das eine solide Basis bietet für den „Versorgungsauftrag“, den er in der Region erfüllt. Letzterer wird dank stetiger Weiterentwicklung immer breiter und macht Filter zu einem richtigen Allrounder, der gleichzeitig Moster, Brenner, Landwirt und Dienstleister ist.Dabei ist Christian Filter eigentlich gelernter Architekt. „Hier im Oderbruch leben wir seit 2001“, erzählt der heutige Chef der Hofmanufaktur Altreetz. In Berlin hätten er und seine Frau es irgendwann nicht mehr ausgehalten. „Bisher habe ich es nicht bereut, der Stadt den Rücken gekehrt zu haben. Zumal sie ja auch nicht weit weg ist. Für unsere Vermarktung ist Berlin vor der Haustür natürlich auch optimal. Man hat hier draußen die Ruhe und den Platz zum Produzieren und hat eben den Markt vor der Haustür“, sagt Filter.Die erfolgreiche Umsetzung seines Vorhabens hat nebenbei auch sein Bild von der EU und ihrer Förderpraxis verändert. „Man hört ja immer davon, was alles so gefördert wird. Und da hab ich gedacht: Mensch, wir haben so ein tolles Projekt, wo auch viele andere was von haben.“ Dass es dann geklappt hat, habe „Vorurteile abgebaut, nach denen Fördermittel immer nur an irgendwelche privilegierten Projekte ausgegeben werden“, sagt Filter. „Ich finde das gut, dass es möglich ist, hier im ländlichen Raum unterstützt zu werden, wenn man ein vernünftiges Konzept hat. Auch wenn man sich andere Projekte anguckt, sind viele sinnvolle und interessante Dinge dabei, die einen Zugewinn für die Region bringen.“

Alt-Zauche | Spreewald

Gemeinsam mit den Kindern für unsere Zukunft - für unsere Region

In der Lernwerkstatt "Spreewälder Holzwürmer" in Alt-Zauche können Mädchen und Jungen, die den Anschluss an die Regelschule verloren haben, ihre Berufsbildungsreife erreichen. 2001 wurden beim Schulverweigerungsprojekt des ASB KV Lübben e.V. auf Initiative des staatlichen Schulamtes in Zusammenarbeit mit dem ASB Lübben und der Gesamtschule Groß Leuthen erste Anfänge und Schritte gemacht. Die Lernwerkstatt als integriertes Projekt von Jugendhilfe und Schule mit seiner jetzigen konzeptionellen Ausrichtung wird seit 2003 durch den Europäischen Sozialfonds gefördert. Zwei Pädagogen und eine pädagogische Begleitperson sowie ein Lehrer der Kooperationsschule "Ludwig Leichardt-Oberschule Goyatz" arbeiten gemeinsam mit den Kindern zwischen 14 und 17 Jahren intensiv an der Sicherung ihrer Zukunft.

Das Konzept ist einfach: Den Jugendlichen werden Angebote unterbreitet, die sich an deren Bedürfnissen orientieren. Wichtig ist es, den Kindern Halt zu geben und ihnen eine Perspektive aufzuzeigen. Beachtet wird insbesondere die Einhaltung eines strukturierten Tagesablaufs. Dabei werden neben den obligatorischen Unterrichtsstunden und Praxiseinheiten auch gemeinsame Mahlzeiten ganz groß geschrieben. "Durch praktische Ergebnisse den Lernerfolg sichern" – dieses Motto wird in allen Facetten des Projektes spürbar. "Erst einmal schauen wir uns die Neigungen an, so dass wir ein Vertrauensverhältnis aufbauen können – Musik, Schachspielen, Zeichnen, Kommunizieren – darüber kann man dann einen super Zugang zu den Jugendlichen schaffen", macht Werkpädagoge Ronald Görick deutlich.

Wichtig ist auch der Unterricht in kleinen Gruppen. Es sind maximal sieben Schüler in der Schule - weil immer nur ein Jahrgang vor Ort ist, während der andere im Praktikum ist. Am Mittwoch erfolgt jeweils der Wechsel. Im Unterricht kann die Klassenstufe noch einmal geteilt werden, so dass sich zwei Pädagogen intensiv um drei bis vier Schüler kümmern können. Dabei wird nicht nur das Lernen wieder gelernt, sondern es werden ganz grundsätzliche Bedürfnisse erfüllt: zum Bespiel die Bereitstellung einer verlässlichen Bezugsperson, der man im Vertrauen auch mal was erzählen kann. Das "ermöglicht ein ganz anderes Arbeiten und ein ganz anderes Verhältnis zu den Schülern, als dies in einer Regelschule möglich ist", erklärt Antje Streich, die Verantwortliche für die fachliche und pädagogische Gestaltung.In der Kreativwerkstatt entstehen die inzwischen sehr begehrten Holzfiguren. "Die Jugendlichen messen die Schablonen alleine aus, schneiden sie zu und müssen beachten, dass sie sparsam mit dem Material umgehen. Auf diese Weise lernen die Schüler gleichzeitig – direkt an anschaulichen Beispielen - Grundlagen der Mathematik – praktisch sozusagen", versichert Ellen Härtel, finanzielle Koordinatorin und Mitglied der Geschäftsleitung des ASB Lübben. Ein ähnlich pragmatisches Interesse wird mit der Computer-AG verbunden: Computer werden durch die Schüler selbstständig – vom kleinsten Einzelteil an – zusammengesetzt. Schließlich wird daran Englisch gepaukt, gelernt, geschrieben oder an einer Präsentation gefeilt.Das Herzstück der Spreewälder Holzwürmer ist die Holzwerkstatt. "Bevor die Kids hier ran dürfen, müssen sie erst einmal Maschinenscheine machen – bevor man mit einer Klappsäge arbeiten darf, gilt es, erst einmal zu wissen, was man damit macht und welche Blätter eingesetzt werden dürfen. Das ist natürlich ein Ansporn, so schnell wie möglich zu lernen", erzählt Ronald Görick. Die Produkte, die hier angefertigt werden – vom Aufriss bis zum Aufbau – kommen hier alle aus der Hand der Schüler und finden auf Rad-, Reit- und Wanderwegen der Region oder in den Einrichtungen des ASB Lübben ein neues Zuhause.Die Lernwerkstatt verfügt zusätzlich über einen gut ausgestatteten Sportraum, dabei gilt die Devise: Es wird genommen, was angeboten wird. Der Sportraum hat einen wichtigen Nebeneffekt: "Für unser Arbeiten ist es wichtig, den Problemen, die die Kinder mitbringen, auf den Grund zu gehen und diese abzubauen. Wenn die Kinder den ganzen Tag Frust schieben, ist es schwer mit ihnen zu arbeiten", erläutert Antje Streich.Durch die Fördermittelzuwendung der EU werden ganz neue Perspektiven eröffnet. Die Durchführung des Projektes ist zwar eine Herausforderung, der sich Ellen Härtel stellen muss: "Aber ohne die Förderung wäre das hier alles so nicht möglich gewesen."

Brandenburg an der Havel

Ein sicherer Hafen für Wasserwanderer

Mitten in der weitläufigen Seenlandschaft, die die Stadt Brandenburg an der Havel umgibt, liegt die Marina "Schoners Wehr". Eine Marina ist eine "Servicestation für Wasserwanderer", eine Art Raststätte mit allem, was Bootsfahrende brauchen. Neben der Versorgung mit Trinkwasser, Treibstoff und Strom und einem Service für kleinere Reparaturen bietet sie auch Sanitäreinrichtungen; ein Lebensmittelgeschäft ist in Laufnähe erreichbar. Außerdem gibt es ein Restaurant und Gästeliegeplätze, um in aller Ruhe Halt zu machen und bei Bedarf über Nacht zu bleiben. Diese vielfältigen Angebote machen "Schoners Wehr" zur zentralen Anlaufstelle für Naturliebhaber, zu einem Ort, wo sich Menschen begegnen und austauschen.Betrieben wird der Bootshafen vom Ehepaar Mischker, das seit jeher im Land verwurzelt ist: er geboren in Treuenbrietzen, sie in Brandenburg an der Havel. Gemeinsam beleben die Unternehmer mit ihrem Projekt nun die Region. Kleine und größere Boote können bei den Mischkers anlegen – und wer noch "Landratte" ist, kann bei ihnen zum Kapitän werden. Denn das mittelständische Unternehmen verfügt über 26 Hausboote und Yachten, die gemietet und zumeist ohne Bootsführerschein gefahren werden können. "Viele Leute sind immer noch überrascht, dass sie solche Boote nur mit Charterschein fahren dürfen", sagt Mario Mischker. "Diese Natur, und überall kann man ankern! Das muss noch viel bekannter werden."Angefangen hat alles im Jahr 2004 mit dem Bau der ersten Anlegestellen – und dieser Anfang war schwer, wie sich Katrin Mischker erinnert. "Hier gab es keinen Wasseranschluss, keinen Stromanschluss. Alles musste von der Straße herunter gelegt werden. Solche Anschlüsse sind immer sehr teuer. Und das für zwanzig Stege!" Daran drohte das Projekt fast zu scheitern. "Wir haben gemerkt: das rechnet sich nicht", fährt Herr Mischker fort, "das können wir wirtschaftlich nicht stemmen. Da war uns das Risiko doch zu hoch." Nach einer Weile kam ihnen dann die zündende Idee: "Vielleicht gibt es irgendwo eine Förderung. Dann könnte es klappen, wenn es eine Anschubfinanzierung gäbe."Und die gab es, in Form von Mitteln aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur. Gefördert wurden zunächst der Ausbau der Marina, die Errichtung der Bootstankstelle und die Anschaffung der ersten Holländischen Yachten. In der laufenden Förderperiode (2007 bis 2013) wurde dann als zweiter Schritt die Erweiterung des "Wasserfuhrparks" auf seine heutige Größe auch aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt.Die Antragsprozesse haben dabei stets reibungslos geklappt. "Wir hatten über die Jahre eine gute Ansprechpartnerin bei der ILB. Die hat uns immer sehr geholfen. Darüber waren wir sehr froh, denn man konnte sich an sie wenden, wenn man mal eine Frage hatte", berichtet Katrin Mischker. Sie ist zufrieden darüber, wie alles gekommen ist – dabei hatte sie ursprünglich gar nicht vor, ihr Berufsleben den Booten zu widmen. "Eigentlich bin ich Lehrerin für Musik und Deutsch. Erst war das mit der Marina ein Hobby, dann schafft man das irgendwann nicht mehr nebenbei und muss richtig einsteigen. Und jetzt ist es unser Standbein."

Luckenwalde | Fläming

Potentiale entdecken - Ländliche Räume gestalten

"Den ländlichen Raum lebenswert gestalten" - Unter diesem Motto steht das 2010 ins Leben gerufene Projekt "Service im Dorf". Es wurde von der lokalen Aktionsgruppe (LAG) "Rund um die Fläming-Skate" e.V. initiiert, die sich mit der Entwicklung des ländlichen Raumes in Teltow-Fläming befasst. "Die Idee von 'Service im Dorf' entstand durch verschiedene Treffen, die die LAG in der Region durchführte. Dort konnten die Bewohner und Akteure der Region ihre Anliegen und Ideen äußern. Hier wurde immer wieder festgestellt, dass der Lebens-Mittel-Punkt in vielen Dörfern fehlt. Und es wurde darüber nachgedacht, wie die Nahversorgung heute mit dem Tourismus und einem Treffpunkt im Ort verbunden werden kann", erläutert Bianca Moeller, eine Verantwortliche des Projektes. Anhand von fünf Modelldörfern wurden sogenannte Machbarkeitsstudien entwickelt. Diese garantieren, dass die Besonderheiten in den Dörfern berücksichtigt werden und dienen damit weiteren Dörfern als Orientierung.Der sogenannte Bottom-Up-Ansatz ist charakteristisch für das Projekt. "Das bedeutet, dass nicht wir festlegen, was in den Dörfern verändert werden kann, sondern die Bewohner selbst bringen ihre Ideen ein und sagen, was ihnen wichtig ist. 'Service im Dorf' unterstützt diese Ideen mithilfe von entwickelten Handlungsempfehlungen in die Tat umzusetzen", fügt die Projektverantwortliche Anne Leschke hinzu.Der Dorfladen als Dreh- und Angelpunkt einer Dorfgemeinschaft: "Oft war es den Bewohnern ein wichtiges Anliegen, diesen zu einem Treff- und Servicepunkt auszubauen. Das heißt, dass einerseits Dienstleistungen wie eine Wäscherei oder eine Poststelle integriert werden. Andererseits kann hier ein Treffpunkt entstehen, sozusagen der lebendige Mittelpunkt des Dorfes", erklärt Bianca Moeller. "Es ist beliebt, regionale Produkte in das Sortiment aufzunehmen. Manchmal ist es außerdem sinnvoll, Kreidetafeln aufzustellen, um aktuelle Informationen bezüglich des Dorfes mitzuteilen sowie Sitzgelegenheiten, die zum Verweilen einladen."Das Projekt konnte die Bewilligungsbehörde der EU-Fördermittel überzeugen. Konkret wird es von dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) finanziert. Mittlerweile wurde sogar ein weiterer Antrag für das Projekt bewilligt. "Wir möchten die Dörfer auch zukünftig begleiten. Für einen längerfristigen Austausch besteht weiterhin die Notwendigkeit, Treffen zu organisieren. Es ist unsere Aufgabe, Netzwerke zu schaffen. Die Dorfbewohner sollen die Möglichkeit bekommen sich untereinander und mit anderen Dörfern austauschen zu können." Die Fördermittel unterstützen nicht nur die ländliche Entwicklung, sondern investieren auch in die Zufriedenheit der Brandenburger Bürger.

Eberswalde

Gemeinsam von den Bäumen lernen

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNE) in Eberswalde liegt im bundesweiten Vergleich der Fachhochschulen weit vorne, wenn es um aktive Forschung geht. Das Know-How, das sie aufbaut und vermittelt, strahlt in die ganze Region und weit ins Land Brandenburg aus, da insbesondere kommunale Unternehmen davon profitieren, wenn sie gut ausgebildete Mitarbeiter "direkt vor der Haustür" finden. Mit angetrieben wird dieser Wirtschaftsmotor von insgesamt 44 Projekten, die durch EU-Fonds gefördert werden, beispielsweise dem Neubau eines Hörsaals, der technischen Ausstattung von Laborräumen oder der IT-Infrastruktur für e-Learning.

Eine dieser zahlreichen Maßnahmen ist das Verbundprojekt "ZIM AgroForst", das die Wechselwirkungen zwischen dem Wasserhaushalt einer bestimmten Gegend und dem Wachstum von Bäumen untersucht. "In Brandenburg gibt es zwei Extreme", erklärt Projektmitarbeiter Dr. Markus Schmidt. "Einmal sehr trockene, sandige Standorte auf Kuppen und dann eher nasse Gebiete in Senken, wo sich das Wasser staut." Nicht jede Pflanze sei so ausdauernd, tiefe Wurzeln zu schlagen, um unabhängiger vom Regenwasser zu werden. Das bedeutet, dass Landwirte, die Nutzgehölze anbauen und Ernteverluste vermeiden wollen, viel Aufwand dafür betreiben müssen, die Wasserzufuhr zu kontrollieren und zu regulieren.
Hier setzt die Forschung des AgroForst-Projektes an. Das mittelständische Unternehmen ZIM Plant Technologies aus Hennigsdorf produziert Messfühler, die den Sättigungsgrad der Pflanzen bestimmen, also feststellen können, ob zu viel oder zu wenig Wasser in den Zellen ist. Auf speziellen Versuchsflächen in der Uckermark dokumentieren die Forscher der HNE dann Vorgänge inner- und außerhalb der Bäume. So verschaffen sie sich ein Bild davon, welche Faktoren mit dem Wasserstand zusammenhängen und wie die Pflanzen damit umgehen. Auf sogenannten Schnellwuchsplantagen kann die Landwirtschaft dank dieser Forschungsergebnisse präziser wirtschaften und Wasser, Dünger und Energie einsparen.

Nicht nur darum ist diese Agrarform umweltfreundlicher, wie Projektleiter Dr. Dieter Murach begründet: "Wir haben mit unseren Plantagen eine Reihe von ökologischen Vorteilen gegenüber jeder anderen landwirtschaftlichen Biomasse. Schnellwuchsplantagen entziehen dem Boden am wenigsten Nährstoffe, viel weniger als etwa Mais oder Getreide. Dadurch ist dann der Stickstoffbedarf in der Düngung wesentlich geringer und die CO2-Bilanz viel besser. Zudem hat man keine bodenwühlenden Maßnahmen, also auch keine Probleme mit Erosion. Wir füllen mit dem Projekt also eine Nische zwischen Landwirtschaft und Naturschutz."

In der Region Eberswalde habe die HNE in den letzten zehn Jahren zahlreiche dieser Plantagen angelegt und begleitet, berichtet Projektmitarbeiter Dr. Schmidt. Brandenburg sei einer der Vorreiter bei dieser Form des Anbaus, insbesondere bei Weiden und Pappeln. Aus diesen schnell wachsenden Baumarten wird Holz als Baustoff oder als Energieträger gewonnen. "In Deutschland haben wir rund 5.000 Hektar solcher Schnellwuchs-Flächen", ergänzt Dr. Murach, "davon befinden sich 40 % in Brandenburg. In diesem Sinne ist das Land schon führend."

Einleuchtend also, dass auch in Brandenburg an der Weiterentwicklung dieser Bewirtschaftung geforscht wird, wobei die Ergebnisse nicht nur der Region dienen, sondern auf geologisch ähnliche Gebiete in der ganzen Welt übertragen werden können – schließlich steht das Forschungsthema im immer wichtigeren Kontext der globalen Wasserwirtschaft. "Wir wollen unsere Erkenntnisse auch nicht in einem abgeschlossenen Kreis sammeln, sondern in die Lehre einfließen lassen", so Dr. Murach. Dreißig bis vierzig studentische Hilfskräfte sind daher jedes Jahr am Projekt beteiligt, sie unterstützen die zehn festen Mitarbeiter. Jene seien dringend notwendig, sagt der Projektleiter: "Ich kann ja nicht jedes Jahr mit komplett neuer Besetzung starten, da geht ja das ganze Know-How flöten."

Finanziert wird das Projekt mit seinen Planstellen zu einem wesentlichen Teil durch den EFRE, den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. "Mein Jahresetat von der Fachhochschule liegt bei 700 Euro. Alles, was darüber hinausgeht, sind Drittmittel, die für die Grundversorgung enorm wichtig sind", betont Dr. Murach. Ein Weg zu diesen wertvollen Drittmitteln ist etwa Auftragsforschung, die für zahlende Unternehmen durchgeführt wird. "Aber auch die EU-Fördermittel sind eine wesentliche Hilfe. Ohne die wäre es gar nicht gegangen."

Etwa ein Jahr habe der Förderprozess gedauert, die Zusammenarbeit mit den Ansprechpartnern sei dabei "phantastisch" gewesen, erinnert sich der Projektleiter mit einem Lächeln. Von den EU-Fonds erfahren habe er durch eigene Recherche und gute Vernetzung. "Wenn man in der Forschung tätig ist, muss man sich schon ein bisschen umhören und selbstinitiativ werden. Speziell bei diesem Projekt war es außerdem so, dass wir ein großes Interesse an den Messinstrumenten von Herrn Zimmermann bei der Firma ZIM hatten – und Herr Zimmermann war ganz angetan von unseren Fragestellungen und Versuchsobjekten. So ist dann das Verbundprojekt entstanden."

ILAB

Kreative Ideen fördern - Brandenburgs Wirtschaft stärken

Das ILab ist eine aktivierende Frühförderung, die Kunst- und Kreativschaffende auf dem Weg zu einer Existenzgründung unterstützt. Viele Kreative haben starke Ideen für eigene unternehmerische Tätigkeiten, schaffen es aber nicht immer, sie eigenständig in tragfähige Geschäftsideen  umzusetzen: „Da setzen wir an. Wir interessieren uns nicht für fertige Gründungskonzepte, sondern für gute Ideen“, erklärt Wolfgang Flieger, Koordinator des ILabs.

Damit die Gründungsvorhaben letztlich ihre Gründungsreife erlangen, können Interessierte im Anschluss durch das  ESF-Programm „Innovationen brauchen Mut“ zusätzlich beraten, gecoacht und qualifiziert werden.

Zu 80 Prozent wird das Ideen- und Gründerlabor aus Mitteln des ESF finanziert: „Ohne diese Gelder würde das ILab nicht existieren. Nur mit Landes- und Bundesmitteln wäre ein solches Projekt nicht zu stemmen. Es ist ganz wichtig zu wissen, dass ohne die Europäische Union gerade in strukturschwachen Regionen viele wichtigen Entwicklungen nicht stattfinden könnten“, so der Leiter des Projekts Klaus-Dieter Müller.
Uta Bartsch und ihre Partner gründen mit beratender Unterstützung des ILabs die Fontane-Festspiele UG. Als privates Unternehmen übernimmt die UG im Sommer 2013 die Durchführung der Fontane Festspiele in Neuruppin. „Das Gründer-Coaching des ILabs ist sehr hilfreich gewesen“, so Bartsch. Mit vielen Anregungen und Finanzierungsideen haben die Coaches das Unternehmen in spe unterstützt. Offene Fragen und Angst vor dem Ungewissen beschäftigen alle Jungunternehmer. Auch die Fontane-Festspiele UG hat sich mit komplizierten Grundsatzfragen beschäftigen müssen, „die vor allem Zeit kosten und wenig Kreativität erfordern“.Birgit Schäfer vom ILab ist unter anderem für den Kontaktaufbau zu den Künstlern und Kreativschaffenden zuständig. Dabei geht Sie direkt auf die Leute zu, recherchiert etwa über das Internet und nimmt Kontakt per Telefon auf.

„Durch dieses Vorgehen möchten wir auch Menschen erreichen, die nicht von selbst auf Gründungseinrichtungen zugehen würden“, erklärt die Projektmanagerin.

Die Fontane-Festspiele auf erfolgreichen Kurs zu bringen und sie zu einem jährlichen Highlight im nördlichen Brandenburg weiterzuentwickeln“, sind laut Bartsch die Ziele der UG. Schon vor der Gründung der UG war Bartsch in der künstlerischen Leitung der Festspiele aktiv. Im vergangenen Jahr wurde Fontanes Roman „Grete Minde“ als musikalisches Schauspiel open-air aufgeführt und war Höhepunkt der Festspiele.
Uta Bartsch empfiehlt das Coaching durch das ILab weiter. „Durch das Direktcoaching kann man auf konkrete Fragen eingehen“, so die Unternehmerin. Den Verantwortlichen des ILabs liegt die individuelle Betreuung der Jungunternehmer am Herzen. Eine Unternehmensgründung sei eine enorme Herausforderung, schließlich gehe es um die Existenzen der Beteiligten, erklärt Müller. Denn neben der wirtschaftlichen Bedeutung des Projekts für das Land „ist auch die Dankbarkeit der Teilnehmer das, was die Arbeit im ILab so wertvoll macht“.

Paretz | Potsdam

Ein Dorf wächst zu neuem Leben

Nordwestlich von Potsdam direkt an der Havel liegt das Dorf Paretz. Rund 400 Einwohner leben in diesem Teil Brandenburgs, wo sich Hohenzollern-König Friedrich Wilhelm III. und seine Frau Luise einst einen Sommersitz bauten. Noch heute ist die ehemalige königliche Residenz ein beliebtes Ziel für die Besucher des Dorfes. Die Einwohner Paretz’ hingegen treffen sich rund sechs Minuten Fußweg vom Schloss entfernt in der Paretzer Scheune –für Veranstaltungen und gegenseitigem Austausch. Im Frühjahr 2011 wurde die bisher als Getreidelager genutzte ehemalige Gutsscheune mithilfe von ELER-Mitteln saniert und ausgebaut.„Für den Sommer ist die Scheune schon restlos ausgebucht“, erzählt Susanne Weber mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Die zuständige Architektin und Mitarbeiterin der Stiftung Paretz war nicht nur am Umbau des Gebäudes beteiligt, sondern ist bei den vielfältigen Veranstaltungen auch selbst mit dabei. Für ihre Mitarbeit am Projekt ist die gebürtige Schwäbin in die Gegend gezogen. Im kommenden August findet wieder der Theatersommer der Scheune statt, wo Weber selbst in Mozarts „Die Hochzeit des Figaros“ zu sehen sein wird. Die Schauspielerei mache ihr Freude, außerdem genieße sie den Kontakt zu den anderen Einwohnern.Scheunenfeste, Rollschuhpartys, Theateraufführungen, Seminare – das ehemalige Getreidelager bietet seit dem Umbau Raum für vielfältige Veranstaltungsformate. Die Bürger Paretz’ haben am neuen Konzept der Scheune tatkräftig mitgearbeitet. „Es gab insgesamt sechs Bürgergespräche, in denen mit den Einwohnern besprochen wurde, was mit dem Gebäude passieren soll“, erläutert Weber. Von den knapp 400 Einwohnern des Ortes, seien zwischen 50 und 80 Personen zu den Besprechungen gekommen. „Das sind 20% der Paretzer!“, erzählt Weber stolz.Der Umbau der Scheune hat viel Energie gekostet und auch einiges an Geldern verschlungen. Nach dem Kauf stellte sich heraus, dass Arbeiten am Dachstuhl notwendig seien, da dieser nicht mehr tragfähig war. „Diese unerwartete Nachricht hat unser Budget ganz schön strapaziert. Eigentlich war ja nur ein kleiner Innenausbau geplant.“Ohne die ELER-Gelder wären die Mehrkosten, die durch den Dachstuhlsanierung entstanden sind, nicht möglich gewesen. „Zum Glück hat uns die Fördermittelstelle auch bei der Beantragung super unterstützt“, erinnert sich die Architektin an komplizierte Tage. Die Mühen haben sich gelohnt: Moderne Glaselemente in Verbindung mit dem alten Holz der Scheune schaffen eine besondere Atmosphäre. Mit der Hilfe der ELER-Gelder ist so aus der alten Gutsscheune ein moderner Treffpunkt für die Bürger und ein Raum für deren Ideen entstanden.

Cottbus

Der Sonne entgegen

Das Projekt „e-SolCar“ an der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg entwickelt zeitgemäße Lösungen für gleich zwei wichtige Probleme der Energiewende. Zum einen ist Strom noch nicht in großen Mengen speicherbar, weswegen mindestens so viel erzeugt werden muss, wie gebraucht wird. Genau das ist bei Erneuerbaren Energiequellen aber schwierig, da deren Leistung ja auch von der Natur abhängt. Zum anderen sind Elektroautos immer noch nicht so wirtschaftlich wie konventionelle Fahrzeuge, die dafür einen hohen CO2-Ausstoß haben. Bis zum Jahr 2020 sollen trotzdem eine Million „e-Cars“ auf Deutschlands Straßen unterwegs sein – die neue Technik muss also im Massenmarkt ankommenIn Cottbus arbeitet ein Verbund aus drei Projektpartnern daher gleichzeitig an Technologien für effiziente Elektromobilität und an neuen Speichermethoden, die künftig das Wirtschaften mit Erneuerbaren Energien erleichtern. Ihre „e-SolCars“ sind nicht nur schnittige Elektroautos, die mit Sonnenstrom betankt werden, sondern auch mobile, dezentrale Batterien, die Schwankungen im Stromnetz ausgleichen können. „Die Projektziele sind klar“, erklärt Projektkoordinator Dr.-Ing. Artur Napierala von der Universität Cottbus. „Unser Schwerpunkt ist die Forschung, Vattenfall als Stromkonzern möchte wissen, wie es um die Alltagstauglichkeit dieser Form der Stromversorgung bestellt ist, und die Entwicklungsgesellschaft German E-Cars will mehr über die Fahrzeugtechnik herausfinden.“

Langfristiges Ziel sei die Marktreife, sagt der Koordinator. „Wir wollen herausfinden, wie kompatibel die Kombination von Photovoltaik und Elektromobilität im Stadtverkehr ist. Aus diesen Erkenntnissen wollen wir dann neue Produkte entwickeln. Da sind wir sehr weit vorne dabei. In Deutschland gibt es kein vergleichbares Projekt“, betont Napierala. Das Beste an ihrer Arbeit sei, dass sie „sehr innovativ“ ist, da die Kompetenzen aller Beteiligten gebündelt werde, ergänzt er, und man merkt ihm die Begeisterung über die reibungslose Zusammenarbeit der Partner an.

Seit Juni 2010 forschen Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Harald Schwarz, Projektkoordinator Artur Napierala und ihr Team an flexiblen, wirtschaftlichen Elektroautos. Schwarz, hauptamtlicher Leiter des Cottbussr Lehrstuhles für Energieverteilung und Hochspannungstechnik, hatte damals die zündende Idee, zusammenzubringen, was zusammenpasst. Das Solarkraftwerk hatte die BTU Cottbus schon auf dem Campus, Vattenfall brachte technisches Wissen über Einspeisung und Speicherung des Sonnenstroms mit. Auf einer Messe hat Schwarz dann German E-Cars mit ins Boot geholt. Das kleine Unternehmen übernahm die Umrüstung der Autos und richtete dafür einen neuen Standort in der Lausitz ein.
Infrastruktur und Planstellen für das Projekt – mindestens neun, verteilt auf die drei Träger – werden mittels Förderung durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) finanziert. Ohne diese Unterstützung wäre es nicht gegangen, sagt Napierala. Die Investition zahlt sich langfristig aus, einerseits als Beitrag zur notwendigen Erforschung und Entwicklung von Elektromobilen, andererseits auch ganz konkret für die Region. „Wenn das Projekt ein Erfolg wird, springt sicherlich etwas für die hiesige Wirtschaft heraus“, klinkt sich Projektmitarbeiter Lothar Kleinod in das Gespräch ein. „Die Ladesäulen für unsere Testflotte kommen zum Beispiel von einem regionalen Unternehmen.“ Artur Napierala pflichtet ihm bei: „Auch die Betriebsstätte von German E-Cars ist hier angesiedelt und beschäftigt Brandenburger. Das sind unsere Leute, die die Erkenntnisse aus dem Projekt umsetzen und weiterentwickeln. Und das soll hier bleiben, nach dem Motto: Elektromobilität – Made in Brandenburg! Das ist das Ziel.“Auf dem Weg dorthin werden Kleinod und Napierala aber noch einige verwunderte Blicke ernten. Beide Projektbeteiligte wurden auch als Testfahrer ausgewählt und legen ihren täglichen Arbeitsweg mit den Versuchsfahrzeugen zurück. „Als ich zum ersten Mal mit einem elektrischen Sportwagen gestartet bin, dachte ich, ich fliege, so schnell fahren die los“, erinnert sich Napierala. Lothar Kleinod nickt zustimmend: „Man kann sehr gut losspurten an der Kreuzung. Vom Fahrverhalten gibt es keinen nennenswerten Unterschied zu einem Benziner.“Dafür umso mehr hinsichtlich der Energieversorgung. „Manchmal fahre ich zur Tankstelle, um für meinen konventionellen Wagen Diesel zu holen“, erzählt Kleinod schmunzelnd. „Dann habe ich nur einen kleinen Kanister bei mir und alle Umstehenden gucken fragend, warum ich denn nicht tanke.“ Ähnliches hat auch Napierala erlebt. „Die Passanten hören das Auto nicht kommen, und dann merkt man, dass sie sich plötzlich umschauen. Für viele ist es immer noch etwas Neues und Ungewohntes.“ Den beiden Männern macht es sichtlich Spaß, Vorreiter zu sein und die Menschen der Region mit der modernen Technik zu verblüffen. Doch in den letzten Jahren habe sich viel getan, ergänzt Kleinod und zeigt sich überzeugt, dass man sich bald daran gewöhnen wird. Bis es soweit ist, fährt die Zukunft aber noch exklusiv über die Straßen der Lausitz.